Geschichte

Die Geschichte des heutigen Seminars für pastorale Ausbildung reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück, als in den evangelischen Kirchen der preußischen Provinzen der Wunsch erstarkte, nach dem Vorbild der Seminare in Wittenberg (1817) und Loccum (1920) eigene Institutionen für die zweite pastorale Ausbildungsphase einzurichten. Zugleich fließen im heutigen Seminar mehrere historische Stränge, bei denen geografische wie konfessionelle Faktoren eine Rolle spielen, zusammen:

Der älteste und landeskirchenübergreifende Vorgänger: Das Elberfelder Kandidatenstift

Die älteste Vorgängereinrichtung ist das Elberfelder Kandidatenstift, am 1. Juli 1904 von der damals größten reformierten Gemeinde im Deutschen Reich gegründet – nach über fünfzig Jahren der Planung. Aus konfessionspolitischen Gründen erfolgte die Umbenennung in Reformiertes Predigerseminar erst 1929. 1937 wurde die Ausbildungsstätte durch die Gestapo geschlossen, man konnte jedoch bis 1942 im Untergrund als Ausbildungsstätte der Bekennenden Kirche fungieren. Als es 1951 die Arbeit wieder aufnahm, hatte sich der Kreis der Trägerkirchen auf die reformierten Landeskirchen der EKD erweitert.

Der rheinische Vorgänger: Bad Kreuznach

Da die Ausbildung in Elberfeld konfessionell gebunden war, fehlte es im Rheinland an einer eigenen unierten Ausbildungsstätte – rheinische Vikare wurden über lange Zeit im westfälischen Soest ausgebildet. 1930 wurde in Düsseldorf das erste rheinische Seminar eröffnet, und der Ort war nicht zufällig gewählt: Die Nähe zu Industriestädten wie Duisburg, Essen oder Wuppertal sollte die angehenden Pfarrer auf die Herausforderungen der modernen Gesellschaft vorbereiten. Auch nach der Zerstörung im Krieg und der Wiederaufnahme der Arbeit in der jungen Bundesrepublik waren die Standortfragen mit ausbildungspolitischen Perspektiven verbunden: So verfügte die EKiR mehrere Jahrzehnte über zwei Predigerseminare, eines in Essen und damit in der gewohnten industriestädtischen Umgebung, aber auch eines Bad Kreuznach, im eher ländlichen Südteil der Landeskirche. Das Seminar in Essen wurde 1997 wieder geschlossen, das in Bad Kreuznach ging am 1. Januar 2004 gemeinsam mit dem Reformierten Seminar im Seminar für pastorale Ausbildung auf dem „Heiligen Berg“ in Wuppertal-Unterbarmen auf.

Der westfälische Vorgänger: Villigst

In Westfalen wurde, deutlich früher als in Rheinland, bereits 1830 ein eigenes Predigerseminar in Soest gegründet, u. a. durch das energische Eintreten Friedrich von Bodelschwinghs. Während der nationalsozialistischen Diktatur, als das Seminar unter die direkte Einflussnahme der Deutschen Christen geriet, gründete der westfälische Bruderrat der Bekennenden Kirche eigene Ausbildungsstätten in Bielefeld und Dortmund. Nach dem Krieg fand die Ausbildung zunächst weiter dort statt, bevor 1956 ein Neubau des Soester Seminars beschlossen wurde, in das 1972 auch der Dortmunder Standort integriert wurde. 1999 wurde das Soester Seminar mit anderen Fortbildungsinstitutionen nach Villigst (Schwerte) verlagert, wo es zehn Jahre lang bestand. 2009 fusionierten das Villigster und das Wuppertaler Seminar im Rahmen einer engeren Zusammenarbeit der beiden großen EKD-Gliedkirchen in NRW.

(Quelle: Achim Reinstädlter, Gemeinsam ausbilden. Das Predigerseminar Wuppertal, in: Helmut Aßmann/Adelheid Ruck-Schröder (Hg.), Pfarrbildung. Bilanz und Perspektiven aus Anlass des 200jährigen Bestehens des Predigerseminars Loccum, Tübingen 2012 (PrThGG 35), 238-247.)

Direktor*innen des Seminars für pastorale Ausbildung

 

1999 – 2015: D. Peter Bukowski
2015 – 2022: Achim Reinstädtler
2022 – 2024: Anke Gödersmann
2024 – 2025: Stefan Kläs (kommissarisch)
2025 – : Dr. Holger Pyka